Kneebody – “Trite”

„musig-im-ochsen” präsentierte am Sonntag, 30. Oktober 2011 um 20:30 anlässlich des 10-Jahr-Jubiläums im Saal des Hotel Ochsen in Muri

Kneebody (USA)

Keine zufällige Schnittmenge, sondern gemeinsame Sprache.

Einer der faszinierendsten Aspekte bei „Kneebody” ist die besondere Balance von Intellekt und Power. Adam Benjamin (Fender Rhodes), Shane Endsley (Trompete), Kaveh Rastegar (E-Bass), Ben Wendel (Sax) und Nate Wood (Schlagzeug) bilden eine symbiotische Gemeinschaft, in der das einzelne Instrument nur im Kontext der Band Sinn macht. Man könnte das Quintett auch als hoch energetisches Kammerensemble bezeichnen.

Für seinen speziellen Zugang zu jazzkompatiblen musikalischen Kontexten gibt es noch keine griffige Bezeichnung. Um noch zur Postmoderne gezählt zu werden, ist ihre Handschrift zu signifikant. Da braut sich eher etwas Neues zusammen.
Die Geschichte der Band begann ganz beiläufig. Benjamin erinnert sich: »Anfangs wussten wir nicht wirklich, was wir da taten. Wir waren noch sehr jung und studierten gemeinsam in Rochester/New York, einem intensiven, wenn auch abgeschotteten Ort. Schon mit 18 spielten wir in Studentengruppen und begannen eine Musik zu entwickeln, die sich sowohl auf unsere eigenen Vorlieben begründete als auch auf die Musik unserer Lehrer wie Ralph Alessi oder Michael Cain. Nach ein paar Jahren siedelten wir nach L.A. um, wo wir unseren Drummer Nate trafen. Die Ästhetik der Band wuchs durch die Musik, die wir in Los Angeles kennen lernten. Wir haben aber niemals eine konkrete Entscheidung über Stil, Ästhetik oder Einflüsse getroffen. Alles wuchs organisch, indem wir miteinander spielten. Wir haben immer alle Musik auswendig gespielt, verinnerlicht und sind so als Band zusammengewachsen.«
Dieses Bandgefühl haben Kneebody anderen Formationen voraus. Die Gruppe ist keine zufällige Schnittmenge von fünf Solisten, die sporadisch gemeinsam arbeiten, sondern das Hauptprojekt aller Beteiligten. Alle anderen Aktivitäten, z.B. Benjamins Mitarbeit bei Dave Douglas’ Keystones, ordnen sich dem unter. Die gemeinsame Sprache bestimmt das Idiom der einzelnen Mitglieder. »Das macht es auch insofern einfacher«, so Benjamin, »als nicht immer alle zugegen sein müssen. Kneebody funktioniert zur Not auch zu dritt oder viert. Aber wir könnten niemals mit einem anderen Drummer spielen. Denn der müsste ja die komplette Musik kennen. Unsere interne musikalische Sprache ist spezifisch für uns.«
Nun bedarf eine jede Sprache eines Vokabulars und einer Grammatik, um kommunizieren zu können. Sie muss geordnet sein und auf festgelegte Codes zurückgreifen. Wenn man mit so vielen Elementen in der Kunst umgeht wie Kneebody, besteht immer eine gewisse Gefahr, sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einzulassen. Und dann wird selbst das komplexeste semantische System trivial. Kneebody sind sich dessen bewusst. »Wir wissen genau, worauf Fusion hinauslaufen kann«, sagt Benjamin. »Zwar kommen unterschiedliche Dinge zusammen, aber es fehlt manchmal an gemeinsamen Referenzpunkten, um die Musik im Detail interessant zu machen. Wenn wir in einem besonderen Stil oder vor einer bestimmten Tradition spielen, wollen wir das jeweilige Idiom verstehen, um es mit Tiefgang zu benutzen und ihm zugleich unseren Stempel aufzudrücken. Das ist die Gemeinsamkeit all der vermeintlichen Gegensätze.«
Bei aller Komplexität bleiben Kneebody erstaunlich beweglich. Die spontane Präzision der Band ist verblüffend, die kollektive Intuition allumfassend. Nichts ist zufällig und doch nicht alles geplant. So ist auch das Album eher Produkt einer Reise als die Umsetzung eines exakten Entwurfs. »Vor den Aufnahmen waren wir anderthalb Jahre auf Tour, so dass die Musik sich aus diesen Erfahrungen kristallisieren konnte«, beschreibt Ben Wendel. »Es gab keine grundlegende Idee, es war einfach die natürliche Entwicklung der Band über einen bestimmten Zeitraum.«

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